Frisuren und Gedanken: Alleinstellungsmerkmale rund um den Kopf

Warum sollte eine Kundin gerade in Ihren Friseursalon kommen, weshalb sollte ein Kunde gerade bei Ihnen seinen Kaffee trinken? Es gibt doch schon so viele Cafés auf dieser Straße. Stimmt, aber jedes ist anders – und genau darum geht es. Die Bedürfnisse und Entscheidungsgrundlagen, warum jemand in ein bestimmtes Café geht, sind ebenfalls jeden Tag andere, selbst bei der Stammkundschaft. Bleiben wir zunächst einmal bei den Friseursalons, Haarstudios oder wie immer sie sich heute nennen. Die Namensgebung ist dabei keineswegs zu vernachlässigen. Wer die Haare älterer Kundschaft pflegt, sollte bei “Damen- und Herrensalon” bleiben. Die jüngere Klientel geht gewiss eher in ein “Haarstudio” und die etwas Ausgeflippten zu “Karins Kopfsalat” oder “Lauras Locken-Lokal “.

Der Standort formt das USP

Wo findet sich jetzt das USP, das Alleinstellungsmerkmal für das Angebot “Haare schneiden und pflegen”, zum Beispiel in dem neuen In-Viertel der Stadt? Es liegt in einem ehemaligen Gewerbegebiet mit Hafen-Anschluss, dessen Branchen der industrielle Wandel verschwinden ließ. Mit der Nutzungsänderung entwickelt sich dort jetzt ein “Quartier Latin”. In den oberen Stockwerken der sanierten Fabriken und Lagerhäuser entstehen ästhetisch gestaltete, luxuriöse Studio-Wohnungen mit Blick auf das Wasser. In die unteren Etagen ziehen Ateliers, Agenturen, Kanzleien, Praxisgemeinschaften ein – und ein Friseurgeschäft. Die Atmosphäre des Viertels bestimmt das Alleinstellungsmerkmal des Salons: Human touch heißt in diesem Fall: Künstlerisch gestaltete Porträtfotos der Mitarbeiterinnen in der Größe von Werbebannern, angebracht an der Außenfassade des Geschäftslokals. Sie sind hochformatig und natürlich in schwarzweiß fotografiert – Farbbilder repräsentieren den billigen Boulevard! Die Fotos zeigen die Friseurinnen mit gestylten Haaren und perfektem Makeup im Profil- oder Halbprofil, lächelnd oder ernst, spontane oder nachdenkliche Sympathie beim Betrachter erzeugend: Sie zeigen den Persönlichkeitstyp der Frauen. Die Bilder sind von Profis künstlerisch gestaltet. So, wie das Stadtviertel, in dem diese Friseurinnen arbeiten und so, wie ihr Beruf ist: ein kreatives Handwerk.

Der Geist füllt die Gaststätten

Gaststätten müssen sich unterscheiden von den Mitbewerbern – dann bleiben sie am Markt, ernähren ihre Inhaber und Belegschaften. Es gilt in dieser Branche wie auch in allen anderen das Erfolgsprinzip “anders als andere”. Gaststätten verlieren Gäste nicht wegen des Rauchverbots, der zu hohen Pacht oder der Tarifbezahlung für die Angestellten. Lokale werden unrentabel, weil ihren Betreibern die richtigen Ideen fehlen. Da ist zum Beispiel die Kneipe in der noch überschaubaren Stadt mit einer im Verhältnis zur Einwohnerzahl sehr großen Universität. Dort bildet die Studenten- und Dozentenklientel das Potenzial für die Gaststätten, am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag muss es hier die größten Umsätze geben. Freitag und Montag scheiden durch die Unipendler wegen der Nähe zum Wochenende aus. “Human touch” heißt in diesem Falle, das Potenzial der Hochschule für Events zu nutzen. Warum nicht einmal einen Theologie-Professor zu einem abendlichen Vortrag mit anschließender Diskussion bitten? Natürlich doziert er nicht über bierernste Themen oder aktuelle Konflikte, sondern über solche zum schmunzeln. “Sind im Himmel Glücksspiele erlaubt?” war zum Beispiel ein umstrittenes Thema mittelalterlicher Theologie. Heute würde es für Lacher und volle Lokale sorgen. “Wissenschaftstheke” könnte eine solche Veranstaltungsreihe heißen – sinnvoll ist sie während der Vorlesungszeit der Hochschule.

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Datum: Sonntag, 14. April 2013 13:15
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