Am ersten Tag im Café – Eine kleine Valentinstagsgeschichte

Matthias küsste sie auf auf die Wange, gab ihr den Gutschein schön verpackt in einem Umschlag mit Satinschleife in die Hand und ging. Sie flüsterte ihm hinterher: “Bis bald, hoffentlich!” Er drehte sich noch einmal kurz um und warf Janine einen letzten Blick zu. Dann verließ er das Café ums Eck.

Der Anfang

Es war letzten September als sich Matthias und Janine das erste Mal begegneten. Er war nur für kurz in der Stadt. Zwischen den zwei Kundenterminen genehmigte er sich einen Cappuccino im Café ums Eck. Es war an diesem Tag viel los in der Bar. Die Tische waren alle besetzt. Matthias begab sich unauffällig zu dem kleinen Stehtisch in der Ecke. Er schnaubte tief durch. Es war ein anstrengender Arbeitstag. Der erste Kunde war nervtötend und der lange Flug steckte ihm noch in den Knochen. Die Kaffee-Stärkung kam gerade richtig. “Durchhalten”, dachte er sich, “ein paar Stunden noch, dann geht’s ins Hotel.”

Irgendwie fühlte er sich nicht ganz wohl. Vielleicht war es, weil ihn der Mann am Tisch gegenüber schon seit Minuten beobachtete. Matthias schaute kurz zu ihm rüber und nickte schnell. Das Gesicht kam ihm so bekannt vor. Die großen Augen, die dicke Nase, der Bart … der Mann hatte Ähnlichkeit mit Jack, seinem Freund aus Dublin. Das schüttere Haar, die fahle Gesichtsfarbe, der stille Ausdruck, das alles ist wie bei Jack. Wie lange hatte er Jack nicht mehr gesehen? Drei, vier Jahre? Die letzte Begegnung mit Jack war damals auf dem Boot seines Vaters. Seitdem hat er nichts mehr von ihm gehört.

Plötzlich stand der Kellner hinter ihm und fragte: “Darf es noch was sein?” “Nein danke, ich möchte zahlen bitte”, sagte Matthias. Er stand auf, beglich die Rechnung und ging Richtung Ausgang. Er
blickte nochmal zu dem Kerl der Jack so ähnlich sah. “Passen Sie doch auf”, schrie ein Frau die zur Tür hereinstürmte. “Entschuldigen Sie vielmals Madame”, entgegnete Matthias etwas verblüfft. Er war im ersten Moment paralysiert, sie war wunderschön. Sie lächelte kurz und sagte: “Ist ja nichts passiert!”. Die Frau wendete sich von Matthias ab und ging schnell zur Theke. “Sorry”, flüsterte er vor sich hin und verließ das Café.

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Datum: Montag, 20. Januar 2014 11:22
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